The Super Chrysalis


Image of the WeekDer Super-Kokon
– von John J. Prendergast

Als ich vor einigen Wochen an einem Bach entlang spazierte, hielt ich an, um mir eine Monarchfalter-Raststätte anzusehen, die im vergangenen Frühjahr angelegt worden war. Dort standen mehrere sorgfältig gepflegte Pflanzkästen, gefüllt mit Seidenpflanzen (den einzigen Pflanzen, auf denen Monarchfalter ihre Eier ablegen) und bunten Zinnien. Dort traf ich Suzanne, die fröhliche Schöpferin der Zwischenstation, die sich um ihre Raupen kümmerte. Sie erzählte mir, dass sie gerade eine große Gruppe frisch geschlüpfter Schmetterlinge freigelassen hatte, von denen einige zart Nektar aus den Blüten in der Nähe tranken. Sie befürchtete, dass es aufgrund der kühleren Tage für sie zu spät sein könnte, um zu fliegen und zu gedeihen. Ich war gerührt von ihrer Fürsorge für diese zarten Insekten.

Die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling zu beobachten, ist heute noch genauso faszinierend wie damals, als ich ein kleiner Junge war. Wer hätte gedacht, dass dieser große, gefräßige, schwarz-gelb gestreifte, kriechende Wurm sich in einen Kokon verwandelt, tagelang verschwindet und dann so radikal und wunderschön verwandelt wieder auftaucht?

Dieser scheinbare Zaubertrick wird oft als Metapher für den Prozess des spirituellen Erwachens und der Transformation verwendet. Zunächst sind wir wie eine hungrige Raupe, die unbewusst so viel wie möglich verschlingt. Irgendwann befriedigt uns die Außenwelt nicht mehr und es kommt zu einer natürlichen Hinwendung nach innen. Wir beginnen, den „Funken innerer Strahlkraft” zu spüren und zu pflegen, wie Adyashanti es so treffend nennt. Dabei vollzieht sich ein natürlicher Transformationsprozess. Wir identifizieren uns weniger mit unseren alten Geschichten und Bildern und hängen weniger an ihnen, während wir gleichzeitig unsere Erfahrungen so akzeptieren, wie sie sind, und eine größere Vertrautheit mit ihnen entwickeln. Dies ist der Auslöser für einen tiefgreifenden Transformationsprozess. Während dieser Prozess stattfindet, kann es sich manchmal so anfühlen, als würden wir in einem Haus leben, das gerade umgebaut wird.

Ein Retreat ist wie eine Art Superkokon. Eingetaucht in ein gemeinsames Feld der Präsenz und gemeinsam darauf ausgerichtet, die Wahrheit unseres Seins zu erkennen, gewöhnt sich Körper und Geist an das Licht des Bewusstseins, manchmal langsam und sanft, manchmal schnell und heftig. Und wie ein kleiner Junge, der voller Ehrfurcht beobachtet, wie ein Schmetterling aus seiner Puppe schlüpft und seine neuen orange-schwarzen Flügel ausbreitet, staune ich am Ende eines Retreats, wenn viele Retreatteilnehmer aus ihren falschen Identitäten und Verkrampfungen heraustreten und sich vollständiger für die weitläufige und liebevolle Realität ihres wahren Selbst öffnen.

_____________________________________________________Kernfragen zur Reflexion: Was halten Sie von der Vorstellung, dass die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling als Metapher für das spirituelle Erwachen und das Abwerfen alter Identitäten dient? Können Sie eine persönliche Geschichte erzählen, die eine Zeit widerspiegelt, in der Sie eine tiefgreifende Verwandlung erlebt haben, ähnlich der Metamorphose eines Schmetterlings? Was hilft Ihnen, in Ihrem täglichen Leben einen „Superkokon” zu schaffen, der es Ihnen ermöglicht, Ihre Erfahrungen besser anzunehmen und sich ihnen anzunähern und weniger an alte Geschichten gebunden zu sein?


John J. Prendergast ist Gründer und Chefredakteur von Undivided: The Online Journal of Nonduality and Psychology.
 

John J. Prendergast is the founder and editor-in-chief of Undivided: The Online Journal of Nonduality and Psychology.


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